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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Droht ein Kampf zwischen Arm und Reich?


Mario
18.08.2011, 19:10
Berlin - Am Pariser Platz stehen junge Amerikaner, Spanier und Franzosen Schlange. Schon am frühen Morgen warten sie geduldig auf die Fremdenführer. Gegen einen Obolus, der am Ende der Tour gezahlt wird, geht es zum Brandenburger Tor, zum Reichstagsgebäude, zum Kanzleramt. Es ist eine Tour durch das Zentrum Deutschlands. Hier zeigt sich das neue Berlin in diesen Sommertagen von seiner besten Seite.

Die andere Wirklichkeit bekommen die meisten Touristen nicht zu sehen. Nur drei Kilometer entfernt, an einem Seitenkanal der Spree, steht am Neuen Ufer ein ausgebranntes Auto. 300 hat die Polizei in diesem Jahr bereits gezählt.

Hier die Postkartenidylle, dort ein verkohlter Familienwagen - Berlin ist eine gespaltene Stadt. Und eine Stadt, die verunsichert ist.

Angesichts der Dauer-Zündler geistert bereits die bange Frage durch die Blätter: Kommt es in Berlin irgendwann zu Gewaltausbrüchen wie jüngst in London? Sind die Brandanschläge auf Autos und in den vergangenen Monaten fast jede Nacht auf abgestellte Kinderwagen in Mietshäusern die Vorläufer für den großen Gewaltexzess? Der Sprecher der Landesgruppe Berlin in der Unionsfraktion im Bundestag, Kai Wegner, warnte vor Krawallen wie in London: "Wenn wir nicht energisch eingreifen, drohen uns genau solche Verhältnisse."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) widerspricht dem CDU-Politiker: "Das hat überhaupt nichts miteinander zu tun." Bei den Brandstiftern in Berlin gebe es kein klares Täterprofil, sondern eine "bunte Mischung", die Pyromanen und krawallorientierte Täter umfasse. Sein SPD-Parteikollege Dieter Wiefelspütz, Innenpolitiker im Bundestag, sieht es wiederum anders: Er sprach von einer "Vorstufe zum Terrorismus".

Bundesweit lag die Arbeitslosenquote im Juli 2011 bei sieben Prozent, in Berlin waren es 13,5 Prozent. Dazu kommt der Spitzenplatz bei den Hartz-IV-Beziehern. Und eine schleichende Verarmung: Die Zahl der Berliner, die trotz fester Jobs nicht von ihrem Einkommen leben können, steigt von Jahr zu Jahr. Fast 130.000 Menschen, die im vergangenen Jahr sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, mussten zusätzlich staatliche Hilfen in Anspruch nehmen.

Doch das Phänomen der Autoabfackelei ist relativ neu. Die Behörden, ob Polizei oder Verfassungsschutz, tappen weitgehend im Dunkeln. Es gibt nur wenig bekannte Täter, jüngst wurde ein Mann aus der linksextremen Szene zu 22 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Auf der anderen Seite wächst in der Stadt auch eine unpolitische Krawallkultur. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist in Berlin überdurchschnittlich hoch, sowohl Migrantenkinder als auch deutsche Jugendliche aus Problemvierteln wie Neukölln oder Wedding sorgen immer wieder durch rohe Gewalt für Schlagzeilen. Fast jedes Wochenende kommt es auf U-Bahnhöfen zu brutalen Übergriffen auf Fahrgäste.

Natürlich macht das den Otto-Normal-Berlinern Angst. Gleichwohl glauben Sicherheitsexperten, dass Berlin von Londoner Verhältnissen noch weit entfernt ist. Dass Berliner Täter die Brandserie inszenieren, um Krawalle wie in London anzuzetteln, sei unwahrscheinlich, ist bei den Behörden zu hören. Es gebe keinen "Aufstandsneid", sagen die Beamten.

Ganzer Artikel : http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,780936,00.html

Meint ihr das es zu solchen Gewaltausbrüchen auch in Berlin kommen könnte? Ich denke ein Teil der brennenden Autos ist politisch geprägt, der andere Teil hat einfach nur Spaß am zerstören und brennt eben alles an was ihm in den Weg kommt. Eben auch Klein oder Normalwagen. Ob es zu solchen Krawallen wie in London kommen könnte? Ich denke ja. Ganz ehrlich :Auch wenn die Polizei das gegenteil sagt würden sich hunderte von diesen gewalttätigen Perspektivelosen "Versagern" versammeln und sinnlos Randalieren. Die Polizei wäre überrascht. Versager? Ist das nicht zu hart?

Ich denke nein. Wer hilflose Menschen an Bahnhofen, Ubahnen oder wo auch immer attackiert. Dabei den ganzen Tag unter Alkohol oder Drogen steht und auch noch sinnlos fremdes Eigentum zerstört. Für den ist das ein angemessenes Wort.

Es ist zu hoffen das Berlin dieses Problem in den Griff bekommt.

Eure Meinung?

Benjamin
19.08.2011, 00:05
Ich würde für die Zukunft nicht ausschließen, dass es auch in Berlin mal zu "Londoner Verhältnissen" kommt - auch in der Vergangenheit gab es ja insbesondere am ersten Mai immer wieder Krawalle in Berlin, wenngleich deren Ausmaß nicht so groß war wie die Unruhen in London.

Im Moment steht Deutschland ja im europäischen Vergleich wirtschaftlich noch ganz gut da - aber auch Deutschland macht Jahr für Jahr neue Schulden - und wenn wir immer stärker auch für die Schulden anderer angeschlagener Euro-Länder bürgen müssen und die Finanzkrise nicht gelöst wird, dann kann ich mir vorstellen, dass auch bei uns irgendwann harte Sparpakete geschnürt werden müssen. Und wenn das dann heißt, dass Steuern erhöht werden, Harz-4-Sätze gesenkt werden müssen - der Benzinpreis steigt sowieso und mit ihm die Preise für alle Güter, die transportiert werden müssen, dann wird das diejenigen, die ohnehin schon wenig haben (ob durch eigenes Verschulden oder durch die "Gesellschaft") besonders hart treffen - und dann könnte ich mir vorstellen, dass solche Krawalle ausbrechen.

Die einzige echte Lösung, die mir für solche Probleme einfällt - nämlich mehr für die Bildung zu tun - wirkt leider nicht kurzfristig; und im Moment sind die sogenannten Bildungsoffensiven ja auch eher Worthülsen.

Mondfalke
19.08.2011, 10:43
Ich habe jetzt auch nur den Ausschnitt gelesen, muss den ganzen Artikel bei Gelegenheit mal in Ruhe lesen!

Aber ich finde es ein wenig krass, dass man das Gewaltpotential für Krawalle wie in London hauptsächlich anhand von brennenden Autos festmacht. Berlin ist nicht die einzige Stadt in Deutschland in der die Autos brennen, auch hier in Hamburg werden ständig Autos angezündet (auch schon bei mir vor der Tür, auch ein Haus wurde in Mitleidenschaft gezogen) und ich wenn ich jetzt mal von den Zahlen im Artikel ausgehe, steht Hamburg da doch noch besser da als Berlin (genaue Zahlen müsste ich hier mal recherchieren).
Ich halte es aber durchaus auch mit Benjamin, man muss jetzt überlegen was man tun kann damit es in Deutschland garnicht erst soweit kommt wie es jetzt in London eskaliert ist. Mit solchen Maßnahmen kann man nicht erst anfangen wenn es eigentlich schon zu spät ist!

Nika
20.08.2011, 16:25
Wenn ich das als Indiz nehme, dass die Bewohner Deutschlands, auch Schichten, die nicht Politik versiert sind, merken, dass vieles in die falsche Richtung läuft, verbinde ich damit die Hoffnung, dass die Politik endlich wieder Dinge anpackt.